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„Mongo“, „behindert“ oder „gimp“: die neuen Trend-Schimpfwörter? Live

“Bist Du behindert?”

Mit dieser Frage löste der bekannte YouTuber Simon Unge einen Sturm der Entrüstung aus. Er antwortete auf den Tweet eines Freundes und benutzte dabei das Wort "behindert" als Schimpfwort. Unge hat in den Sozialen Netzwerken Facebook, YouTube und Twitter mehr als zwei Millionen Fans und Abonnenten. Vor allem junge Menschen klicken seine Video hunderttausendfach. Doch Unges Ausrutscher kam bei seinen Fans gar nicht gut an.



Der Tweet wurde aus dem Netz entfernt.

Beschimpfungen im Minutentakt

„Das ist behindert“: In der Jugendsprache und an deutschen Schulen gehört das mittlerweile zum Standardvokabular. Mitschüler oder Dinge sollen mit dieser Wortwahl besonders schlecht gemacht und beschimpft werden. Ein Blick auf Twitter zeigt: Nahezu im Minutentakt beschimpfen sich Twitternutzer als „behindert“.



Eine ähnliche Laufbahn legte das Wort „schwul“ in den vergangenen Jahren hin. Eine neutrale Beschreibung von Menschen wurde kaum noch möglich. „Schwul“ entwickelte sich zum Trend-Schimpfwort.

Das führt zur Unsicherheit bei der Kommunikation mit und über bestimmte diskriminierte Personengruppen, so die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). „Ein Kriterium für oder gegen bestimmte Vorschläge könnte die Frage sein, wie die entsprechenden Gruppen selbst benannt werden möchten.“ Demnach sei es in den vergangenen Jahrzehnten notwendig gewesen, dass negative Bezeichnungen oder Schimpfwörter neu benannt werden mussten. „Dies geschah etwa bei den Homosexuellen (Schwule und Lesben) oder Prostituierten (Huren)“, so die bpb.

Engländer beschimpfen sich als „gimp“

Auch in England beschimpfen sich die Menschen gerne als „behindert“. Aus der „handicapped person“ wurde das Schimpfwort „gimp“. Das zeigt das Deutsch-Englisch-Wörterbuch „dict.cc“.

gimp [pej.] - Behinderter {m} [als Schimpfwort beleidigend]



In den Streit mit Simon Unge schaltete sich am Ende auch der Behinderten-Aktivist Raúl Aguayo-Krauthausen ein. Er leidet an der Glasknochenkrankheit. Zusammen mit dem Verein Sozialhelden wurde er 2013 für sein Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.


Krauthausen macht häufig auf den beleidigenden Sprachgebrauch auf Twitter aufmerksam. Hier schreibt er eine Internetnutzerin an, welche das Wort "Mongo" als Schimpfwort benutzte.
Am Ende trafen sich Unge, der bekannte YouTuber MrTrashpack und Krauthausen in Berlin, um über die Themen Behinderung und Inklusion zu diskutieren.
Unter dem Hashtag #FragEinfach konntet online mitdiskutiert werden.



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